111 Geschichten: „Behütet“ von Heidi Ulrich

Am 9. Juni 1988 sollte Heidi eine Reise zu Freunden nach Berlin antreten. Der Flug war schon gebucht, die Freunde erwarteten sie. Doch sie war unruhig, packte den Koffer ein und wieder aus, unschlüssig, was sie tun sollte. Einerseits wollte sie diese Reise antreten, andererseits fühlte sie sich unwohl, bei dem Gedanken, das Heim zu verlassen. Immer noch unschlüssig, bat sie am Vorabend des Abreisedatums Gott um ein Zeichen, eine Hilfe. Am nächsten Morgen herrschte dichter Nebel, obwohl schon seit Wochen schönstes Wetter geherrscht hatte und auch kein Nebel vorhergesagt worden war. Ein Zeichen?

Darüber war Heidi sich sicher. Dennoch flog sie zu ihren Freunden und war sich dabei stets ungewiss, ob sie Gott nun versucht, sein Zeichen in den Wind geschlagen hätte. Alles ging gut, aber die Frage beschäftigte sie noch lange, eigentlich bis heute. Doch eines wusste sie immer, während ihres ganzen Lebens, auch in den schweren Jahren, als sie, alleinstehend und berufstätig, ihre Großmutter pflegte: Gott behütet mich. Das spürte sie stets so sicher, wie eine helfende Hand, die sie stützte. Darin war sie gewiss und ist es bis heute, ein Trost in ihrem Leben.

Heidi Ulrich (71)

111 Geschichten ist ein
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