111 Geschichten: „Die Farben der Hoffnung“ von Lydia Vogtmann

Anfang der 1950er Jahre war Lydia gerade mal Anfang 20 und hatte doch schon den Krieg miterlebt, hatte in der grauen Asche und dem traurigen Schutt der Stadt ihre erste Arbeit in der Stadtverwaltung begonnen und ihr erstes Gehalt erhalten, auf das sie sehr stolz war. Der CVJM, in dem ihr Vater schon in der Bäckerabteilung tätig gewesen war, bot ihr da eine wunderbare Möglichkeit, aus diesem trostlosen und deprimierenden Grau zu entfliehen. Auf einer der ersten Freizeiten, die sowohl Männern als auch Frauen zugänglich waren, war sie mit dabei. Es war ihre erste Freizeit nach dem Krieg.

Sie fuhren nach Moscia, in die Schweiz und wurde eines ihrer schönsten Erlebnisse, von dem sie heute noch schwärmt. Die Farbenpracht des Himmels in der Schweiz, das strahlende Blau des Sees, die blühenden Rhododendren und die Agaven, Blüten und Farben, die sie noch nie gesehen hatten, konnten nur jemanden derart entzücken, der wie sie aus dem zutiefst trostlosen, öden Ruinen der Stadt kam. Menschen, die während des Krieges alles verloren hatten, fliegergeschädigt und mit tiefen Narben auf der Seele fanden in der Gemeinschaft und der wunderbaren Umgebung echten Trost, echte Hoffnung. Die Sonne schien hier anders und ließ ihr Licht auf Farben und Hoffnungen fallen, die sie lange nicht mehr gesehen hatten.

Lydia Vogtmann (77)

111 Geschichten ist ein
Projekt zum 111.
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