Der 17. YMCA Weltrat hat begonnen


Mehr als 1100 Delegierte aus allen Kontinenten sind in Hong Kong eingetroffen

Es ist kurz nach ein Uhr morgen und ich versuche in der Mega-Schwüle auf meinem schwitzenden Touchpad noch ein paar klare Gedanken für den Blog zu formulieren. Mal gucken, ob das gelingt. Nach einem 13-stündigen Flug mit Zwischenlandung in Peking sind wir – acht von den 40 deutschen Delegierten – bei blauem Himmel in Hong Kong gelandet. Eine Stadt, die unendlich viele Wolkenkratzer auf ein paar stark bergige Inseln mitten im Dschungel scheinbar ohne richtiges System verstreut hat. Dies ergibt traumhafte Kontraste, ähnlich wie die multikulturelle Bevölkerung, die hier friedlich zwischen Hochhausschluchten und irgendwie doch immer am Waldrand und Strand  beisammen lebt. Und diese 7-Mio-Stadtbewohner werden jetzt die Tage gleich noch mal um mehr als 1100 YMCA Delegierte aus 85 Ländern (insgesamt gibt es 124 Nationalverbände) bereichert.

Doch jetzt zu der Tagung: Die meisten incl. mir wohnen in einem Freizeitgelände des YMCA, der mal irgendwann wahrscheinlich direkt im Dschungel an den Strand gebaut wurde. Inzwischen ist das Gelände von Wolkenkratzern auf der Rückseite umzingelt und es führt eine komfortable HighTech-Hochbahn hin, was für uns natürlich deutlich von Vorteil ist, da man so bequem in 30 Minuten nach Downtown kommt. Die Organisation ist asiatisch perfektionistisch und enorm gastfreundlich. Den Koffer darf man nicht selber rollen, jugendliche Ehrenamtliche stehen überall und helfen einem, wie es nur geht. Überhaupt ist der YMCA Hong Kong irgendwie eine andere Nummer. Es gibt zwei Vereine, von denen der eine schon mal 21 000 Mitglieder hat, der andere 4500 Ehren- und 1500 Hauptamtliche und das in 45 YMCA-Buildings quer durch die Stadt. Der erste Hong Kong Jugendsekretär, den ich kennengelernt habe, hat einen typisch asiatischen Namen, nämlich William. Er arbeitet als Sozialarbeiter in der Drogenprävention unter Jugendlichen mit. Ein lebendig gelebter Glaube im YMCA und seiner Gemeinde gehört für ihn selbstverständlich als Kraftquelle für sein Engagement dazu. Da die (chinesische!) Regierung viel Vertrauen in das Engagement des YMCA hat, erzählt er, erhalten sie den Zuschlag für viele neue sozialen Projekte und so wächst der CVJM ständig. Es gibt irgendwie nichts was es nicht gibt – so hat man mind. den Eindruck: eigene YMCA-Schule, Arche Noah Erlebnispark, Wohnheime, Arbeit mit Migranten, Youth Hostels, Hotels, Musik- und Tanzschule, Sport, Präventionsarbeit, Hilfsprojekte für China-Mainland, christliche Buchhandlung … – das muss man erst mal verdauen bzw. den Überblick bekommen!

Was ist bis jetzt (mir) passiert? Gestern sind wir angekommen, gleich mal mit Albrecht Kaul als Reiseführer durch die Stadt gepilgert. Dabei habe ich gleichmal großzügig meinen Geldbeutel an die Stadtbevölkerung verteilt, d.h. irgendwo verloren, um dann über Doris meine Konto- und Kreditkarte in Deutschland sperren zu lassen. Der schnöde Mammon (glücklicherweise nicht so viel) – weg war er. Aber glücklicherweise ist man ja mit Geschwistern unterwegs und Berthold Messinger (Weltdienst-Sekretär des Gesamtverbandes) hat mir gleich mal großzügig ausgeholfen.

Heute beim Frühstück traf ich auf die peruanische Delegation, mit denen ich gleich mal gemeinsam die Bilder von unserer gemeinsamen Anden-Tour 2009 auf meinem Rechner anschaute (liebe Grüße von Gerd, Raul und Anggelo an Daniel, Biggi und allen, die letztes Jahr mit in Peru waren!). Sie waren von ihrem Land und der Landschaft restlos begeistert. Nach dem ich die Peruaner und ich mich selbst mit den Bildern glücklich gemacht habe, bin ich an dem noch freien Vormittag mit Gerd Bethge (Bruderschaftssekretär in Peru) in die Stadt gezogen. Er erzählte von dem immer größer wachsenden Missions-Netzwerk innerhalb der CVJM weltweit. Zunehmend gibt es in vielen Nationalverbänden Initiativen, die die christlichen Wurzeln stärken wollen. Und das ist gut. Nämlich bei all dem was der CVJM so tut, ist es überlebensnotwendig, dass er es nicht aus eigener Kraft macht. Sondern in der Kraft Gottes! Deswegen haben sich im Vorfeld der Weltratstagung schon mal 50 Delegierte zu einem Missions-Netzwerk-Treffen zusammen gefunden.

Nachmittags um 16 Uhr eröffnete die Tagung mit einem Fernsehshow-tauglichen „Samstag-20.15-Programm“. In der bekanntesten Halle der Stadt, dem Cultural Center, begrüßten die Offiziellen des Weltbundes, viele Mitglieder des YMCA von Hong Kong und ein Teil der 400 Jugend-Delegierten mit einem bunten Programm von festlichen Reden über Breakdance zu klassischem Jugendchor, zu chinesischem Tanztheaterspiel, zu Ballett, zu Video-Kurzfilmen, zu … – ein echtes Spektakel  – komplett gestaltet von CVJMern. Irre was da an Potential drinnen steckt. Und die Südafrikaner haben natürlich mit Uvuzelas ihren Beifall unterstützt. Irgendwie kriegt man diese Tröten nicht mehr los.

Abends wurden dann alle 1100 Gäste in das gegenüber liegende YMCA Salisbury Hotel zum festlichen Abendessen eingeladen. Da traf ich dann den neuen kenianischen Generalsekretär Jared Musima, mit dem ich und 48 jungen Erwachsenen vor sieben Jahren den Mount Kenia bezwungen hatte. Überhaupt haben es die Gespräche so zwischendrin – in den öffentlichen Verkehrsmitteln, am Essenstisch, unterwegs beim Gehen zu einer Veranstaltung … – in sich. In Kürze habe ich heute Kontakt mit zig Nationalitäten bekommen – erinnern kann ich mich noch an: Kanada, England, Norwegen, Hong Kong, Schweiz, Sierra Leone, Togo, Niederlande, Kolumbien …  So jetzt bin ich zu müde. Ich muss dringend ins Bett. Auf dem Zimmer wohne ich mit Gomes, einem Delegierten des YMCA in Bangladesch zusammen. Glücklicherweise sind die Schlafzimmer gekühlt und man zerfließt nicht im Schlafen. Gute Nacht und bis morgen oder übermorgen. Dann geht es auch richtig thematisch los.

Mehr Bilder findest du in unserer Bildergalerie (kann sein, dass es noch ein paar Minuten dauert..): http://galerie.cvjm-nuernberg.de/v/cvjm-kornmarkt/internationale_arbeit/weltrathongkong/

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