Ein Taifun braut sich über Hong Kong zusammen …

… und setzt evtl. morgen die Weltkonferenz etwas außer Gefecht. Zwischen Windstärke 3 und 8 kommt da etwas von den Philippinen angeflogen. Mal gucken, wollte schon mal immer einen Taifun von innen besichtigen. Gefährlich soll er nicht werden – keine Sorge. Man muss dann halt im Haus bleiben und das Surfen auf dem Meer unterlassen.

Dafür geht es auf der Weltratstagung nicht so stürmisch, wenn aber schon ganz schön geschäftig zu. Es ist beeindruckend zu erleben und ein bisschen Vorgeschmack auf den Himmel, wie hier die ganze Welt kunterbunt zusammen sitzt, singt, hört, redet, lacht, betroffen ist, … – und das alles in einer Verbundenheit in Christus. Sicherlich sind die geistlichen Prägungen sehr unterschiedlich und die YMCAs haben sich der jeweiligen Herausforderungen in ihren Ländern angepasst und sind damit sehr, sehr verschieden. Aber gerade dies bietet viele Möglichkeiten voneinander zu lernen.

Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen:

  1. In Brasilien arbeiten sie auch daran, wie sie junge Erwachsene neu als eigene Altersgruppe erreichen können – und das nicht als „subjects“, sondern als „citizen“, d.h. nicht als Zielpublikum, sondern als Bürger, Partner, Menschen, mit denen man auf gleicher Augenhöhe in Beziehung treten will und gemeinsam etwas erreichen will. Dazu hatte ich heute ein interessantes Gespräch mit Christiano aus Porto Alegre, der von unserer 18plus-Arbeit ziemlich begeistert war und uns dann auch gleich zu einem 18plus-Festival im nächsten Januar nach Brasilien eingeladen hat.
  2. Der Öffentlichkeitsreferent vom schwedischen Nationalverband erzählte in welchem Prozess sie sich gerade befinden, um den KFUM/KFUK (Christlicher Verein junger Männer/Frauen) mit einem kürzeren Namen zu versehen: entweder nur KFUM oder YMCA. Und wie sie diesen Prozess mit den Vereinen jetzt anleiern müssen, damit die Veränderung von der Basis gedeckt ist.
  3. Der Generalsekretär von Haiti bedankte sich bei mir in der Essensschlange für die vielen Spenden aus Deutschland bei der Erdbebenkatastrophe. Das Geld ist angekommen und ist eine große Hilfe. Das war eine besonders bewegende Begegnung, da wir noch während der Katastrophenzeit mit so vielen Gebeten an den YMCA in Haiti gedacht haben. Auch für das Überleben des YMCA-Staff und dann steht er lebendig vor mir.
  4. Dann das Gespräch mit einem Lehrer eines YMCA-College hier in Hong Kong und sein Bemühen, die Jugendlichen auf ihr Leben vorzubereiten. Es gibt hier ein extra Fach in der Oberschule, wo es nur um Themen geht, wie ich diskutiere, dem anderen zuhöre, meine eigenen Gesichtspunkte einbringe, mir eine eigene Meinung bilde, mich in die Gesellschaft einbringe, im Team arbeite … – einfach genial, dafür ein extra Fach einzurichten und Lehrer speziell dafür auszubilden. Und all das tut er aus seinem christlichen Glauben heraus. Mit seiner Frau gemeinsam engagieren sie sich in einer kleinen Gemeinde und sind sehr stolz auf ihre zweijährige Tochter.
  5. Spannend ist auch, dass der palästinensische CVJM (Ost-Jerusalem) hier ist, aber der israelische (West-Jerusalem) leider fehlt. Dadurch kommt es m.E. zu einer gewissen einseitigen Informationslage in Bezug auf den Nahost-Konflikt. Bei allem sachlichen Hin und Her, dieser m.E. von außen unlösbaren Frage, schmerzt besonders, dass zwei YMCA auf beiden Seiten des Konflikts selbst nicht auf einen Nenner kommen und ein großes Mißtrauen und viele Verletzungen vorhanden sind.

Worauf ich besonders gespannt bin, ist der Besuch einiger Vorsitzenden aus den chinesischen YMCAs. Sie sollen in den nächsten drei Tagen für einen Tag da sein. Als CVJM Nürnberg überlegen wir ja auf Anfrage des deutschen CVJM, eine Partnerschaft mit einem chinesischen CVJM zu sondieren. Ich hoffe, dass nicht der Taifun  die Begegnung unmöglich macht. Mit Albrecht Kaul, dem China-Beauftragten des deutschen CVJM, bin ich im engen Kontakt und werde mit ihm gemeinsam die Gespräche mit den chinesischen Verantwortlichen führen.

Über das Thema „Striving for global citizenship for all“ („Engagement für eine weltweite, gleichberechtigte Bürgerschaft für alle“) schreibe ich dann morgen oder übermorgen, da m.E. erst die Workshops einige interessante Ergebnisse bringen. Bis jetzt waren es mehr allgemeine Analysen zur Globalisierung, die jetzt nicht besonders Neues erzählt haben.

Praktisch ist das Thema natürlich längst auf dem Tisch und der Weltrat ein bestes Beispiel für ein gleichberechtigtes Miteinander von allen Nationen, ein „global citizenship“. Oder wie es Paulus in Eph 2,19 treffend ohne Unterschied von Rasse, Staatsangehörigkeit, Kultur und soziale Zugehörigkeit sagt: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Ich freue mich schon auf morgen … – und hoffe, dass der Taifun das Programm nicht zu durcheinander schleudert.

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